Mehr als ein Zertifikat: Bei red pepper wird Vereinbarkeit gelebt

Wie bleibt ein Qualitätssiegel für mehr Familienfreundlichkeit nicht nur eine Auszeichnung, sondern trägt zu nachhaltiger Veränderung im Arbeitsalltag bei? Das verrät uns Geschäftsführer Dayen Hegemann von red pepper. Das Bremer Unternehmen hat sich zum wiederholten Male mit unserem Qualitätssiegel AUSGEZEICHNET FAMILIENFREUNDLICH zertifizieren lassen.

Interview
Praxisbeispiel

Die Bremer Firma red pepper berät mittelständische Unternehmen bei ihrer systemischen Unternehmensentwicklung und der Markenentwicklung. Damit sollen nachhaltige Transformation und wirksame Veränderungen ermöglicht werden. Das Unternehmen berät jedoch nicht nur, sondern widmet sich auch intern der stetigen Weiterentwicklung. Einen Beitrag dazu leistet das Qualitätssiegel AUSGEZEICHNET FAMILIENFREUNDLICH.

Das 15-köpfige Team von red pepper weiß, dass ein Siegel allein noch keine Veränderung erzeugt. Was wirklich zählt, ist die Auseinandersetzung mit der Unternehmenskultur und der Haltung. Wer nachhaltige Strategien aufbaut, die immer wieder auf ihre Wirkung überprüft werden, weiß wo das Unternehmen steht. Deswegen hat das Unternehmen schon zum dritten Mal den Zertifizierungsprozess durchlaufen, um das Qualitätssiegel zu erhalten.

Warum sich die Auszeichnung für das Unternehmen lohnt und welchen Ratschlag sie anderen Betrieben mitgeben, hat Geschäftsführer Dayen Hegemann im Interview mit uns geteilt.

 

1.       Warum haben Sie sich dazu entschieden, sich nicht nur einmal, sondern wiederholt mit dem Qualitätssiegel AUSGEZEICHNET FAMILIENFREUNDLICH zertifizieren zu lassen?

Weil ein attraktiver Arbeitgeber zu sein nichts ist, was man einmal erreicht und dann abhakt. Man will es ja auch bleiben – und genau dafür brauchen wir den Prozess immer wieder.

Zwei Dinge sind für uns der Grund. Erstens: In diesem Thema kann man sich enorm verlieren, wenn man von einem Punkt zum nächsten und zum nächsten kommt. Die Zertifizierung gibt uns einen Rahmen, in den man sich reinarbeitet, dazu die externe Begleitung – das hilft uns, zielgerichtet an den Themen zu arbeiten und auch einen Endpunkt zu finden. Auch das ist wichtig.

Zweitens wirkt das Siegel wie ein Verstärker: Dinge nicht nur zu planen, sondern auch wirklich zu machen. Hätten wir das, was wir uns vorgenommen haben, nicht umgesetzt, wären wir auch nicht (re)zertifiziert worden. Mit jeder Rezertifizierung werden Themen neu aufgegriffen.

Angefangen hat es übrigens ohne konkreten Anlass. Es war eher dieses Gefühl, dass wir als Arbeitgeber etwas machen wollen – und vielleicht auch etwas machen müssen, gerade für neue Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Nach der ersten Zertifizierung konnten wir sagen: Die Sachen sind auch wirklich umgesetzt. Das war einfach total gut – und Grund genug, es nicht dabei zu belassen.

 

2.       Welche konkrete Maßnahme zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf kommt bei Ihrem Team besonders gut an?

Ganz klar die Flexibilität – die Möglichkeit, Präsenz- und Homeoffice-Tage selbst zu gestalten und Arbeitstage auch durchaus zu ändern und anzupassen, wenn es das Familienleben erfordert. Bei uns muss niemand jeden Tag vor Ort in Bremen sein.

Ein bis zwei Präsenztage in der Woche peilen wir an, die restliche Zeit so, wie es für die eigene Situation passt – das ist das, was wirklich ankommt. Am Ende des Tages zählt nicht Präsenz, sondern Leistung und das Vertrauen, das wir als Unternehmen in unsere Mitarbeiter stecken. Bisher haben wir mit diesem Konzept nur positive Erfahrungen sammeln können.

Das Qualitätssiegel an sich ist letztlich einfach eine Auszeichnung, ein Testat oder eine Bestätigung für das, was wir die letzten Jahre tun und getan haben. Aber das, was dahinter steht – die Angebote, die wir schaffen und eben diese Flexibilität –, das ist das, was zählt. Und das hören wir auch immer wieder in Bewerbungsgesprächen: Für einige im Team war genau das ein ausschlaggebender Faktor, sich für red pepper zu entscheiden – gerade für Kolleginnen und Kollegen, die nicht aus Bremen kommen, Kinder im Betreuungsalter haben oder andere Lebensumstände die Flexibilität beanspruchen.

 

3.       Welche spürbaren Veränderungen bringt Ihnen die bewusste Einbeziehung von Vereinbarkeit im Arbeitsalltag?

Die größte Veränderung ist, dass niemand mehr darum bitten muss. Wenn Vereinbarkeit ein selbstverständlicher Teil der Planung ist, muss keiner lange erklären, warum er donnerstags früher weg ist oder warum ein Kind krank wird. Das nimmt auf beiden Seiten Druck raus. Früher waren solche Dinge Ausnahmen, die man einzeln verhandelt hat – heute sind sie einfach eingeplant.

Im Alltag heißt das vor allem, dass Vereinbarkeit als Kriterium schon in den Entscheidungen auftaucht, die wir sowieso treffen. Wann legen wir Termine, wie planen wir Projekte, wie verteilen wir Aufgaben, wer übernimmt welche Rolle. Wenn man das von Anfang an mitdenkt, kostet es kaum zusätzlichen Aufwand. Teuer wird es nur, wenn man es nachträglich reparieren muss.

Verändert hat sich auch, wie offen im Team darüber gesprochen wird. Und es geht dabei längst nicht nur um Kinder – Pflege von Angehörigen, Weiterbildung, weit entfernte Wohnorte, all das gehört dazu. Dass diese Themen überhaupt auf den Tisch kommen, ist für sich genommen schon ein Unterschied.

Und schließlich macht es das Unternehmen stabiler. Leute bleiben, weil Arbeit und Leben zusammenpassen. Wer eine Lösung gefunden hat, die zur eigenen Lebenssituation passt, sucht sie nicht woanders noch einmal. Wir haben dadurch deutlich weniger Wechsel – und das ist im Alltag vielleicht die spürbarste Veränderung überhaupt, weil Wissen und eingespielte Zusammenarbeit im Haus bleiben.

 

4.       Was raten Sie anderen kleinen und mittleren Unternehmen, die noch zögern, den Zertifizierungsprozess anzugehen?

Einfach anfangen. Wer auf den perfekten Zeitpunkt wartet, wartet lange. Erst einmal schauen, was man schon hat. Die meisten Betriebe in unserer Größe sind familienfreundlicher, als sie denken – sie haben es nur nie sichtbar aufgeschrieben.

Familienfreundlichkeit braucht kein Siegel. Aber warum nicht das, was nach innen längst gelebt wird, auch nach außen zeigen? Gerade für kleine und mittlere Unternehmen kann das ein echter Vorteil sein: Man wird sichtbarer, man wirkt moderner, und man zeigt Bewerberinnen und Bewerbern sehr klar, wofür man steht. Das macht einen Unterschied – bei der Bewerbungsrate, bei der Wahrnehmung als Arbeitgeber und auch bei der Frage, ob Menschen bleiben oder gehen.

Eine Zertifizierung hilft außerdem dabei, die eigenen Strukturen weiterzuentwickeln. Man bekommt einen Rahmen, der Orientierung gibt, damit man sich in den vielen Themen nicht verliert. Für uns war das ein guter Anlass, Dinge, die wir ohnehin schon gemacht haben, bewusst zu stärken und weiter auszubauen. Und genau deshalb lohnt es sich für KMU, über das Qualitätssiegel nachzudenken: Es macht sichtbar, was man bereits gut macht – und es hilft dabei, noch besser zu werden.

 

Möchten auch Sie Ihr Unternehmen zertifizieren lassen? Dann machen Sie gleich den Kurzcheck, um zu schauen, wo Ihr Unternehmen in Sachen Familienfreundlichkeit bereits steht: Hier geht’s zum Kurzcheck.

Übrigens, schnell sein lohnt sich: Wenn Sie sich zeitnah zertifizieren lassen, können Sie noch zu den Unternehmen gehören, die bei der diesjährigen Auszeichnungsveranstaltung von der Senatorin geehrt werden.

Weitere Hinweise zum Qualitätssiegel und den weiteren Angeboten finden Sie bei der Servicestelle Beruf und Familie.