Die Partnerschaftliche Vereinbarkeit zwischen Eltern hat sich als Trend herausgebildet, der sich weiter verstärkt. Für Väter gewinnt der Wunsch, sich Zeit für die Erziehung und Betreuung der Kinder zu nehmen, zunehmend an Bedeutung. Doch wie können Väter als Zielgruppe für Vereinbarkeitsmaßnahmen aktiv adressiert werden? Wir haben mit Väterexperten Volker Baisch gesprochen.
Laut Erfolgsfaktor Familie möchte jeder zweite Vater (50%) etwa die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen. Tatsächlich übernehmen allerdings nur 17% der Eltern mit Kindern unter 16 Jahren etwa gleiche Teile bei der Kinderbetreuung. Das hat Konsequenzen für die Zufriedenheit von Vätern in ihrem Unternehmen. Rund 450.000 Väter in Deutschland hätten schon einmal den Arbeitgeber zugunsten einer besseren Vereinbarkeit gewechselt. Mehr als 1,7 Millionen Väter denken darüber häufig oder zumindest manchmal nach. Diese Wechselbereitschaft stellt vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ein großes Unternehmensrisiko dar. Wie können Unternehmen eine entsprechende väterfreundliche Unternehmenskultur etablieren, um Väter in einer aktiven Vaterschaft zu unterstützen und so zu einer chancengerechnet Unternehmenskultur beizutragen?
Volker Baisch ist Experte für das Thema Väterorientierung und hat vor vielen Jahren das Väternetzwerk conpadres ins Leben gerufen. Wir haben mit ihm gesprochen:
Warum sollten Väter beim Thema Vereinbarkeit aktiv adressiert werden?
Väter müssen beim Thema Vereinbarkeit aktiv adressiert werden, weil sich ihr Rollenverständnis stark verändert hat und Unternehmen diesen Wandel nicht ignorieren dürfen. Immer mehr Väter möchten nicht mehr ausschließlich die Rolle des Ernährers erfüllen, sondern auch aktiv Zeit mit ihren Kindern verbringen und Verantwortung in der Erziehung übernehmen. Wer sie dabei nicht unterstützt, riskiert große Unzufriedenheit und eine hohe Wechselbereitschaft – bereits heute denken mehr als die Hälfte Väter über einen Jobwechsel nach, nur um eine bessere Balance zwischen Beruf und Familie zu erreichen. Gleichzeitig eröffnet eine väterfreundliche Unternehmenskultur enorme Chancen: Sie steigert die Attraktivität als Arbeitgeber, fördert die Bindung wertvoller Fachkräfte und setzt ein klares Signal für Gleichstellung. Es ist ein klarer Wettbewerbsvorteil, Väter aktiv und sichtbar in das Thema Vereinbarkeit einzubeziehen.
Was sind konkrete Tipps, um Väter als Zielgruppe für Vereinbarkeit nachhaltig zu erreichen?
Um Väter nachhaltig für das Thema Vereinbarkeit zu gewinnen, braucht es gezielte, sichtbare und glaubwürdige Maßnahmen, die in die Kultur des Unternehmens eingebettet sind. Zunächst ist es entscheidend, dass Unternehmen ihre Angebote klar und proaktiv kommunizieren – nicht versteckt im Intranet, sondern mit Veranstaltungen, Checklisten und Erfahrungsberichten, die Väter unmittelbar ansprechen und einen Mehrwert liefern. Ein besonders wirksamer Hebel sind interne Väter-Netzwerke, die Austausch und gegenseitige Unterstützung ermöglichen und Vorbilder sichtbar machen. Gleichzeitig müssen flexible Arbeitsmodelle wie Teilzeit, Job-Sharing, Homeoffice oder Zeitwertkonten selbstverständlich sein – nicht als Ausnahme, sondern als gelebte Normalität. Führungskräfte spielen hierbei eine Schlüsselrolle: Wenn sie selbst Elternzeit nehmen und proaktiv auf die Väter zugehen, über ihre eigenen Erfahrungen sprechen und Vereinbarkeit als selbstverständlichen Teil von Karriere sehen, verändert sich die Kultur spürbar. Ergänzend können strukturierte Rückkehrpläne nach Elternzeit oder spezielle Stage-Gates helfen, Väter gezielt zu begleiten. Entscheidend ist dabei immer, Vertrauen über Kontrolle zu stellen – Väter wollen sehen, dass Vereinbarkeit nicht nur auf dem Papier steht, sondern im Alltag wirklich möglich ist.
Wie lässt sich sicherstellen, dass Vereinbarkeitsmaßnahmen für alle im Unternehmen wirksam sind?
Damit Vereinbarkeitsmaßnahmen im Unternehmen wirklich wirken, dürfen sie nicht als Nischenangebote verstanden werden, sondern müssen integraler Bestandteil der Unternehmenskultur sein. Das bedeutet, dass alle Mitarbeitenden – unabhängig von Geschlecht, Funktion oder familiärer Situation – Zugang zu flexiblen Arbeitsmodellen haben. Ebenso wichtig ist eine verlässliche Infrastruktur, etwa Kinderbetreuungsangebote oder Ferienprogramme, die Müttern wie Vätern gleichermaßen zugutekommen. Entscheidend bleibt jedoch die Haltung im Unternehmen: Führungskräfte müssen Vereinbarkeit sichtbar vorleben und aktiv fördern, anstatt sie still zu tolerieren. Transparenz in der Kommunikation – klare Informationen zu Elternzeitrechten, Teilzeitregelungen und Unterstützungsprogrammen – ist ein weiterer Schlüssel, um Hemmschwellen abzubauen. Schließlich sollten Unternehmen regelmäßig messen, wie gut ihre Maßnahmen angenommen werden, und Feedback der Mitarbeitenden ernsthaft in die Weiterentwicklung einfließen lassen. Nur wenn Vereinbarkeit breit verankert, transparent kommuniziert und kontinuierlich überprüft wird, entfaltet sie ihre volle Wirkung für alle Beschäftigten.
Wollen Sie Volker Baisch live erleben und praxistaugliche Vereinbarkeits-Impulse für Ihren Betrieb bekommen?
Dann kommen Sie zu unserer Fachveranstaltung „Beruf & Familie weiterdenken – Väterfreundliche Personalstrategien und innovative Arbeitszeitmodelle“ und diskutieren Sie mit:
Datum: 16.09.2025
Uhrzeit: 9:30–13:30 Uhr
Ort: Campus Space, Sparkasse Bremen
Was Sie erwartet:
Kostenlose Anmeldung und weitere Infos: http://eveeno.com/vereinbarkeit_weiterdenken
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Bremer Landesstrategie für Gendergerechtigkeit und Entgeltgleichheit im Erwerbsleben statt und wird in Kooperation mit der Sparkasse Bremen umgesetzt.