Deutsch lernen zwischen Seilen und Tauwerk

Die Gleistein GmbH ist ein Bremer Familienunternehmen mit 200-jähriger Geschichte und produziert Seile und Tauwerk. Das Unternehmen hat eine internationale Belegschaft und mehrere Mitarbeitende, die eine erfolgreiche Sprachförderung durch die Servicestelle Deutsch am Arbeitsplatz der LABEW+ erhielten.

Interview
Praxisbeispiel

Die Firma Gleistein wurde 1824 gegründet, ist heute eine international agierende Firmengruppe und das älteste industrielle Familienunternehmen Bremens. Neben der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb hochwertiger Faserseile ist die Gleistein GmbH besonders auf die Entwicklung seilbasierter Individuallösungen spezialisiert.

Um die sprachlernenden Mitarbeitenden zu unterstützen, hat sich die Firma Gleistein an das Team der Servicestelle Deutsch am Arbeitsplatz gewendet. Im Gespräch berichtete Personalreferentin Devina Drescher, welche Ziele mit dem Beratungsprozess verbunden waren und was sich durch das Angebot der Servicestelle im Unternehmen verändert hat.

 

Mit welchen Herausforderungen haben Sie sich an die Servicestelle Deutsch am Arbeitsplatz gewendet?

Im Arbeitsalltag ist eine sichere und verständliche Kommunikation für uns von großer Bedeutung. Daher haben wir uns an die Servicestelle Deutsch am Arbeitsplatz gewendet, um die Deutschkenntnisse unserer Mitarbeitenden gezielt für den beruflichen Alltag zu verbessern.

Wie wichtig die sprachliche Verständigung ist, zeigt sich bereits zu Beginn eines typischen Arbeitstages: Der Tag startet mit der Schichtübergabe, bei der die anstehenden Aufgaben besprochen und die Arbeitsaufträge verteilt werden. Anhand der jeweiligen Konfektionierungsanweisungen erfahren die Mitarbeitenden, welche Tätigkeiten sie übernehmen und wie diese auszuführen sind. Bei besonderen Kundenanforderungen sind zusätzliche Erklärungen und Absprachen erforderlich. Auch während der praktischen Arbeit, beispielsweise beim gemeinsamen Spleißen am Tisch, findet ein kontinuierlicher Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen statt. Sowohl die Arbeitsaufträge und fachlichen Abstimmungen als auch das tägliche Miteinander im Team finden auf Deutsch statt.

 

Welche Ziele wollten Sie durch die Sprachförderungsangebote erreichen?

Unsere Ziele waren, mehr Sicherheit in Gesprächen mit Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten zu gewinnen, den fachbezogenen Wortschatz zu erweitern und sprachliche Hürden im Arbeitsalltag abzubauen. Gerade zu Beginn müssen sich neue Mitarbeitende mit zahlreichen Fachbegriffen und betriebsspezifischen Bezeichnungen vertraut machen. Dazu gehören beispielsweise Begriffe wie Spleißen, Vernähen und Spulen sowie die Bezeichnungen verschiedener Beschlagteile, wie Kauschen oder Karabiner.

Eine besondere Bedeutung haben dabei unsere Spleißschulungen. In diesen erlernen die Mitarbeitenden unterschiedliche Spleißtechniken, die sie anschließend benötigen, um die jeweiligen Konfektionierungsanweisungen korrekt umzusetzen. Dafür ist es wichtig, sowohl die verwendeten Fachbegriffe als auch die mündlichen Erklärungen und schriftlichen Arbeitsanweisungen sicher zu verstehen und sich im täglichen Austausch sicherer ausdrücken zu können, um die aktive Teilnahme am Arbeitsleben und die Zusammenarbeit im Team weiter zu stärken.

 

Welche Maßnahmen haben Sie im Rahmen der gemeinsamen Arbeit entwickelt?

Die Servicestelle unterstützte uns zunächst durch eine individuelle Sprachberatung und die Analyse des konkreten Sprachförderbedarfs. Darauf aufbauend wurden passende Maßnahmen und Lernstrategien vorgeschlagen, darunter auch Materialien und Möglichkeiten zum selbstständigen Lernen.

 

Welchen Mehrwert bieten die Angebote für die Arbeit in Ihrem Unternehmen?

Besonders hilfreich war die Unterstützung bei Aussprache, Grammatik und beim Ausbau des fachlichen Wortschatzes, etwa im Zusammenhang mit Konfektionierungsanweisungen und der betrieblichen gleisteinspezifischen Sprache. Einige Begriffe haben bei uns eine ganz spezielle fachliche Bedeutung: Wenn wir beispielsweise von einem „Auge im Seil“ sprechen, ist damit eine gespleißte Schlaufe gemeint. Beim „Seilmantel“ handelt es sich nicht um eine Jacke, sondern um einen geflochtenen Schutz, der das innenliegende Seil, den sogenannten Kern, umgibt. Auch Begriffe wie „Seil melken“ gehören zu unserem Arbeitsalltag und bezeichnen das Ausstreifen von Lose aus dem Seil.

Gerade für Mitarbeitende, die Deutsch nicht als Muttersprache sprechen, ist es wichtig, diese Fachbegriffe und ihre Bedeutung kennenzulernen und sicher anwenden zu können. Dadurch hat sich die Verständigung im Team verbessert, und die Mitarbeitenden treten in Gesprächen sicherer auf.

Insgesamt hat die Zusammenarbeit zu mehr Selbstvertrauen, einer erleichterten Kommunikation und einer besseren Zusammenarbeit im Arbeitsalltag geführt. Die Angebote der Servicestelle haben sich damit als wertvolle Unterstützung für Integration, Qualifizierung und betriebliche Weiterentwicklung erwiesen.

 

Sind auch Sie an den Angeboten der Servicestelle Deutsch am Arbeitsplatz interessiert?

Wollen auch Sie Ihre Auszubildenden oder Mitarbeitenden beim Erlernen arbeitsplatzbezogener Sprachkenntnisse unterstützen oder Ihren Betrieb sprachsensibel aufstellen?

Unser Team der Servicestelle Deutsch am Arbeitsplatz berät Sie gerne. Weitere Informationen finden Sie unter https://labew-bremen.de/service/deutsch-am-arbeitsplatz/.